Lernreise Toronto, Kanada – "Länger besser zu Hause leben“








26. Juli bis 1. August 2026. Impulse aus Toronto: Wie Menschen länger selbstbestimmt zu Hause leben können Wie können ältere Menschen möglichst lange sicher und selbstbestimmt in ihrem vertrauten Zuhause leben? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine deutsch-kanadische Lernreise nach Toronto. Für die Evangelische PflegeHeimat nahm Ralf Matalik, Leiter Bau- und Immobilienmanagement, an dem intensiven Austausch teil.
Vom 26. Juli bis 1. August 2026 führte die Lernreise „Länger besser zu Hause leben“ Vertreterinnen und Vertreter der Sozial- und Gesundheitswirtschaft sowie der Möbelwirtschaft nach Toronto. Organisiert wurde die Reise von DUCAH gemeinsam mit der Deutsch-Kanadischen Industrie- und Handelskammer. Im Mittelpunkt standen innovative Versorgungsmodelle, digitale Assistenzsysteme, neue Wohnkonzepte und die Frage, wie sich Pflegebedürftigkeit möglichst lange vermeiden oder hinauszögern lässt.
Die Delegation besuchte zahlreiche Organisationen aus den Bereichen Gesundheitsversorgung, Forschung, Quartiersentwicklung und Digitalisierung. Dazu gehörten unter anderem AGE-WELL, das Toronto Grace Health Centre, SE Health, das Centre for Aging and Brain Health Innovation, Toronto Community Housing, die Stadt Toronto, Canada Health Infoway und Ontario Health.
Kanada und Deutschland stehen vor ähnlichen Herausforderungen
Im Austausch wurde deutlich, dass Kanada und Deutschland vor vergleichbaren Aufgaben stehen. Der demografische Wandel, der Fachkräftemangel und die steigende Zahl älterer Menschen erfordern neue Lösungen. Dabei geht es nicht allein um Pflege, sondern vor allem um die Zeit davor: Welche Unterstützung brauchen Menschen, damit sie selbstständig bleiben und weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung leben können?
Besonders im Gedächtnis blieb Ralf Matalik der kanadische Ansatz des „Aging in Place“. Gesundheit, Pflege, Wohnen und soziale Unterstützung werden dabei eng miteinander verbunden. Viele Angebote sind bewusst niederschwellig gestaltet. Die Menschen werden frühzeitig erreicht – bevor ein größerer Unterstützungsbedarf oder eine Pflegebedürftigkeit entsteht.
„Die zentrale Frage der Reise war für mich: Was können wir tun, bevor Menschen pflegebedürftig werden? Wenn wir frühzeitig die richtigen Angebote schaffen, können wir Selbstständigkeit erhalten und gleichzeitig die vorhandenen Versorgungsstrukturen entlasten“, sagt Ralf Matalik.
Unterstützung kommt direkt zu den Menschen
Ein besonders interessanter Ansatz zeigte sich beim Besuch von Toronto Community Housing und dem Programm iHelp. Mithilfe vorhandener Bevölkerungsdaten werden Wohngebäude und Quartiere identifiziert, in denen besonders viele ältere Menschen leben. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern werden dort passende Gesundheits-, Beratungs- und Unterstützungsangebote aufgebaut.
Die Angebote kommen somit direkt zu den Menschen. Wohngebäude entwickeln sich zu Anlaufstellen für Prävention, soziale Kontakte und gesundheitliche Unterstützung. Entscheidend ist, dass nicht einfach fertige Lösungen angeboten werden. Zunächst wird gefragt, was die Menschen vor Ort tatsächlich benötigen.
Auch für die Evangelische PflegeHeimat bietet dieser Ansatz interessante Perspektiven. Mit ihren Pflegeeinrichtungen, den Angeboten des Betreuten Wohnens und dem geplanten ambulanten Dienst verfügt sie bereits über wichtige Bausteine, um Pflege, Wohnen und Unterstützung im Quartier künftig noch stärker miteinander zu verbinden.
Technologie muss einen konkreten Nutzen haben
Während der Lernreise wurden zahlreiche digitale Lösungen, Assistenzsysteme und Möglichkeiten zur Erfassung von Gesundheitsdaten vorgestellt. Ein wichtiges Ergebnis war dabei: Die benötigte Technologie ist in vielen Bereichen bereits vorhanden. Entscheidend ist jedoch, ob sie im Alltag einen erkennbaren Nutzen bietet und von den Menschen angenommen wird.
Digitale Assistenz, Sensorik und intelligente Wohnkonzepte können mehr Sicherheit schaffen, gesundheitliche Veränderungen frühzeitig erkennen und Pflegekräfte unterstützen. Sie sollten jedoch nicht die Ausgangsbasis einer Entwicklung sein.
„Innovation beginnt nicht mit der Technik, sondern mit den Bedürfnissen der Menschen. Erst wenn wir wissen, was Bewohnerinnen, Bewohner, Angehörige und Mitarbeitende wirklich brauchen, können wir die passende Lösung auswählen“, betont Ralf Matalik.
Auch für die Gestaltung von Wohnungen und Möbeln ergeben sich daraus neue Anforderungen. Technische Unterstützung sollte sich möglichst unauffällig in eine wohnliche Umgebung einfügen. Möbel können Sicherheit und Funktionalität bieten, ohne wie klassische Pflege- oder Krankenhausausstattung auszusehen.
Von der Lernreise in die Praxis
Die Eindrücke aus Toronto sollen nun weiter ausgewertet und auf ihre Übertragbarkeit nach Deutschland geprüft werden. Denn nicht jedes kanadische Modell lässt sich unmittelbar auf die rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland übertragen.
Ein konkreter Ansatzpunkt für die Evangelische PflegeHeimat ist die Weiterentwicklung von Quartiersangeboten. Denkbar wäre ein Pilotprojekt an einem Standort, an dem Pflegeeinrichtung, Betreutes Wohnen, ambulanter Dienst und weitere Unterstützungsangebote miteinander vernetzt werden. Gemeinsam mit Kommunen, Kirchengemeinden, Ärzten, Apotheken und anderen sozialen Partnern könnte so ein lokales Netzwerk für ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben entstehen.
„Die Woche in Toronto war intensiv, spannend und sehr lehrreich. Ich nehme viele neue Ideen, wertvolle Kontakte und wichtige Denkanstöße mit. Jetzt kommt es darauf an, daraus Lösungen zu entwickeln, die zu unseren Menschen und unseren Strukturen passen“, fasst Ralf Matalik die Lernreise zusammen.
Die Evangelische PflegeHeimat wird die gewonnenen Impulse weiterverfolgen und prüfen, wie sich einzelne Ansätze in zukünftige Wohn-, Pflege- und Quartierskonzepte integrieren lassen.